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RLS – auch eine Frage der Gene

Mit einer Häufigkeit von drei bis zehn Prozent zählt das Restless Legs Syndrom (RLS) in Europa zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen. Frauen über 35 haben ein doppelt so hohes Risiko, die Missempfindungen in den Beinen und den starken Bewegungsdrang zu entwickeln als Männer. Weitere Risikofaktoren sind Alter (5 % der 30- bis 50-Jährigen, 44 % der über 65-Jährigen), Anämie mit Eisenmangel, Migräne, schwere Nierenerkrankungen (z. B. dialysepflichtige Niereninsuffizienz), Morbus Parkinson und vor allem Multimorbidität, also das gleichzeitige Vorliegen mehrerer Erkrankungen. Aber auch eine Schwangerschaft lässt das RLS-Risiko auf etwa 20 Prozent steigen. Allerdings sinkt dieses nach der Geburt wieder auf das Ausgangniveau ab. Allgemein spricht man in Erkrankungsfällen, die auf die genannten Faktoren zurückzuführen sind, vom sekundären oder symptomatischen RLS: Werden die „Grunderkrankungen“ oder die zugrunde liegenden Mangelerscheinungen behoben, lassen die RLS-Symptome nach.

Ruhelose Beine können vererbt werden

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Ruhelose Beine können vererbt werden

Bei einem Großteil der Betroffenen scheinen allerdings nicht die genannten Risikofaktoren, sondern eine genetische Veranlagung für das Auftreten der Erkrankung verantwortlich zu sein. Experten sprechen in diesen Fällen vom idiopathischen RLS. Mehr als 60 von 100 Patienten haben eine Familiengeschichte für RLS, 30 von 100 Betroffenen haben das RLS von Mutter oder Vater geerbt. Treten die unruhigen Beine familiär gehäuft auf, handelt es sich in der Regel um komplizierte und besonders schwer zu behandelnde Fälle.

Auch wenn klar ist, dass RLS häufig genetisch bedingt ist, sind die zugrunde liegenden Zusammenhänge komplex und bis heute auch noch nicht vollständig verstanden. Denn neben „klassischen“ RLS-Genen scheinen auch epigenetische Faktoren durch Umwelteinflüsse an der Entstehung und Ausprägung der Erkrankung beteiligt zu sein. Dabei verändern die Umweltfaktoren nicht die Erbinformation selbst, sondern bestimmen durch chemische Einflüsse, ob Gene zur Ausprägung kommen.

Weltweit größte genetische Studie

Bislang gingen Forscher von mindestens sechs genetischen Risikovarianten für RLS aus, die zumeist autosomal dominant vererbt werden. Das bedeutet, dass die Veranlagung für die unruhigen Beine unabhängig vom Geschlecht vererbt wird und immer dann auftritt, wenn (mindestens) ein Elternteil daran erkrankt ist. In einer internationalen und weltweit bislang umfangreichsten Studie aus dem Jahr 2017 gelang es Forschern zuletzt, 19 Risiko-assoziierte Varianten im Erbgut zu identifizieren – 13 davon waren bislang unbekannt.

Die Forscher hatten dazu die genetischen Daten von 15.000 RLS-Patienten mit denen von 95.000 Individuen aus der Allgemeinbevölkerung verglichen und diese Ergebnisse in einer weiteren Studie mit 31.000 neuen Datensätzen von Patienten und mehr als 280.000 Kontrollpersonen bestätigen können.

RLS beginnt im Mutterleib

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RLS beginnt im Mutterleib

Zusätzlich untersuchten die Forscher, mit welchen biologischen Abläufen die Risikovarianten am ehesten verbunden sind, und bestätigten dabei auch frühere Erkenntnisse. So war bislang bekannt, dass beispielsweise das Gen MEIS1 an der Entwicklung des zentralen Nervensystems beteiligt ist und eine wichtige Rolle im Eisenstoffwechsel des Gehirns spielt. Auch die RLS-verursachende Variante des Gens BTBD9 steht mit verringerten Eisenspiegeln in Zusammenhang.

Die von ihnen identifizierten Gene seien vor allem an der embryonalen Entwicklung des Nervensystems beteiligt, obwohl die Erkrankung meist erst in späteren Lebensjahrzehnten auftritt. Das lasse vermuten, dass angeborene Besonderheiten des Nervensystems sich erst später in Form des RLS bemerkbar machen, und könne bei der Suche nach neuen und geeigneten Therapien helfen, sind die Forscher überzeugt.