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Einsatz von medizinischem Cannabis bei RLS

Das Restless Legs Syndrom (RLS) ist eine chronische und stark belastende Erkrankung, deren Ursache bislang noch immer nicht geklärt ist. In der Regel sprechen die Symptome wie Kribbeln, Missempfindungen und Bewegungsdrang der Beine gut auf Dopaminagonisten, Opioide (auch: Opiate) oder andere Medikamente an, die entweder einzeln oder in Kombination angewendet werden. Dennoch bleibt bei einem Teil der Patienten eine Restsymptomatik bestehen oder sie entwickeln schwerwiegende Nebenwirkungen, sodass die Therapie abgebrochen werden muss.

Betroffene Patienten setzen ihre Hoffnung dann auf alternative Therapiemethoden. Dazu zählt – spätestens seit Inkrafttreten des sogenannten Cannabisgesetzes – auch der Einsatz von medizinischem Cannabis.

Cannabis als „Wunderwaffe“?

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Cannabis als „Wunderwaffe“?

Spätestens seit Inkrafttreten des sogenannten Cannabisgesetzes im Frühjahr 2017 setzen viele dieser Betroffenen ihre Hoffnung auf die pflanzliche Droge Cannabis. Geschürt wird diese durch zahlreiche Berichte in den Medien, die Cannabis als „Wunderwaffe“ gegen eine Vielzahl von Beschwerden preisen. Deshalb verwundert es nicht, dass sich auch viele RLS-Patienten erhoffen, mithilfe des Hanfgewächses endlich wieder ruhig schlafen zu können.

Bislang ist die wissenschaftliche Datenlage zu dieser Fragestellung allerdings noch dünn. Bekannt ist bislang, dass Cannabis, also die getrockneten Blätter der Cannabis-Pflanze (Cannabis sativa oder Cannabis indica), mehr als 60 pharmakologisch wirksame Komponenten (sogenannte Cannabinoide) enthält, von denen die wichtigsten das Tetrahydrocannabinol (THC) und das Cannabidiol (CBD) sind. THC ist für die berauschende Wirkung des Cannabis verantwortlich, während CBD eher beruhigende, schmerzstillende und Brechreiz lindernde Eigenschaften hat.

Erfolge bei Schmerzen und Spastik

Erste Studien deuten darauf hin, dass Cannabinoide bei einer Reihe neurologischer Erkrankungen, darunter auch Bewegungsstörungen, symptomatisches und neuroprotektives (die Nervenzellen schützendes) Potenzial haben. So kam die US-amerikanische Gesellschaft für Neurologie (AAN) 2014 nach einer systematischen Auswertung aller bis dahin vorliegenden Studien zu dem Schluss, dass Cannabispräparate bei Patienten mit Multipler Sklerose Spasmen und zentrale Schmerzen lindern können.

Neuere Untersuchungen an Parkinson-Patienten konnten zeigen, dass Tremor (Zittern), Rigor (Erstarrung), Bradykinese (Verlangsamung der Bewegungen), Schmerzen, psychische Verfassung und Schlaf nach dem Rauchen von Marihuana besser wurden. In einer weiteren Studie berichteten die Teilnehmer über mehr Lebensqualität nach sechswöchiger Einnahme von Cannabidiol (CBD), was die Wissenschaftler auf die angstlösenden, antidepressiven und antipsychotischen Eigenschaften des Hanfwirkstoffes zurückführten. Andere Studien verfehlten solche Ziele hingegen. Einer der Hauptgründe, dass die bisher vorliegenden Ergebnisse wenig aussagekräftig und zum Teil widersprüchlich sind, ist die geringe Anzahl an Teilnehmern in diesen Untersuchungen.

Erfahrungsberichte, keine Beweise

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Erfahrungsberichte, keine Beweise

Unter diesem Manko leidet auch eine aktuelle Studie französischer Wissenschaftler, die jedoch erstmals über die Wirkung von Cannabis speziell auf die RLS-Symptomatik berichtet. Alle Patienten der Studie litten seit fünf bis 23 Jahren unter (inzwischen) schweren RLS-Symptomen und hatten bereits eine Vielzahl der etablierten Therapien ohne großen Erfolg probiert oder litten unter deren Nebenwirkungen. Alle Studienteilnehmer hatten in Eigenregie Cannabis zur Therapieergänzung ausprobiert und berichteten über ein vollständiges Nachlassen der RLS-Symptome und eine deutlich verbesserte Schlafqualität.

Angesichts der wenigen Studienteilnehmer und der ausschließlich subjektiven Berichte der Patienten besitzen diese Ergebnisse natürlich keine wissenschaftliche Relevanz. Sie sind allerdings ein Anlass, das Potenzial von Cannabinoiden bei RLS in größeren Studien mit klar definierten Messmethoden weiter zu untersuchen.

Ob Cannabis für Sie eine Therapiealternative darstellt, sollten Sie mit Ihrem behandelnden Arzt besprechen. Dieser kann dann einen Antrag auf Kostenerstattung bei Ihrer Krankenkasse einreichen. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass keine andere allgemein anerkannte, dem medizinischen Standard entsprechende Therapie zur Verfügung steht oder diese mit nicht tolerierbaren Nachteilen einhergeht.