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Mein RLS in den Zeiten von Corona – Erfahrungsberichte von Patientinnen

Kerstin (55 Jahre)

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Kerstin (55 Jahre)

Ich leide seit ca. 30 Jahren an RLS und bin mittlerweile berentet. Wie der Zufall so spielt stellte sich heraus, dass meine liebe Nachbarin Cosima ebenfalls an RLS leidet. Nachdem nun der Kontakt mit haushaltsfremden Personen wieder gestattet ist, haben wir uns auf ein Stündchen getroffen, um uns darüber auszutauschen, wie es uns während der letzten Monate ergangen ist. Ich weiß noch, dass ich gerade im Krankenhaus lag, als ich zum ersten Mal erfahren habe, dass es ein Virus gibt, welches sich sehr schnell ausbreitet. Wieder zu Hause, konnten mich meine Eltern sowie Freunde noch einmal besuchen, bevor es zur Kontaktsperre kam. Der Geburtstag meiner Mama wurde nicht gefeiert und ein Besuch war auch nicht möglich, da sowohl sie als auch mein Mann und ich als Risikopatienten gelten.

Ich habe sehr darunter gelitten, dass ich weder meine Familie noch meine Freunde sehen konnte. Das Einzige was ich in dieser Zeit als sehr angenehm empfunden habe, war die Tatsache, dass mein Mann mehr zu Hause war. Außer zum Spazierengehen und Einkaufen hielt ich mich ausschließlich daheim auf. So ein Tag zu Hause ohne richtige Aufgabe kann extrem lang sein. Dementsprechend gab ich dem großen Schlafbedürfnis tagsüber nach, was dann wiederum zur Folge hatte, dass ich nachts nicht schlafen konnte. Insgesamt ein teuflischer Kreislauf. Weil ich einfach zu viel Zeit hatte, horchte ich auch viel mehr in mich hinein und hatte das Gefühl, als wären sämtliche Beschwerden, die ich zusätzlich zu meinem RLS habe, doppelt ausgeprägt. Daraus resultierte dann wiederum, dass ich mehr Medikamente einnahm als sonst, mit den damit verbundenen Nebenwirkungen. Das alles ließ mich so ziemlich verzweifeln und mit meinem Schicksal hadern und hat depressive Züge in mir hervorgerufen.

Ich bin zwar nicht besonders sportlich, habe aber eine ganze Menge Sportutensilien zu Hause. Also habe ich versucht, die Langeweile mit Sport zu vertreiben. Das war eine gute Idee, denn so konnte ich die Zeit sinnvoll verbringen. Der Nachteil war allerdings, dass meine RLS-Beschwerden abends, wenn ich dann zur Ruhe kam, wieder verstärkt auftraten und ich zusätzlich zu meiner regulären Medizin nun wiederholt Bedarfsmedizin einnehmen musste. Zum Glück konnte ich alle meine diversen Arzttermine wahrnehmen, da meine Ärzte, bis auf etwas veränderte Öffnungszeiten, weiterhin praktizierten. Auch eine bereits seit Längerem geplante Hand-OP, verbunden mit einem zweitägigen Krankenhausaufenthalt, wurde regulär durchgeführt.

Alles in allem bin ich sehr froh, dass nun langsam wieder eine gewisse Normalität zurückkehrt und ich mit mehr Abwechslung die Tage wieder besser verbringen kann.

Cosima (51 Jahre)

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Cosima (51 Jahre)

Ich habe gerade in der ersten Zeit der COVID-19 Pandemie viel im Internet recherchiert, um zu erfahren, wie ich mich und meine Familie am besten vor diesem Virus schützen kann. Meine Mutter, die im selben Haus wohnt, ist genauso wie ich eine Risikopatientin. Daher war der Schutz vor Ansteckung das wichtigste Ziel. Da ich von zu Hause arbeite, gab es keine Umstellung für mich. Laptop, Drucker, Scanner sowie Smartphone und Internet sind alles, was ich benötige. Als dann nach einiger Zeit auch mein Mann im Homeoffice arbeiten konnte, war das tägliche Zusammensein eine sehr schöne Erfahrung für uns beide.

Dennoch hat der Stress über die Ungewissheit der Situation mein RLS in den vergangenen Monaten verschlimmert. RLS habe ich schon seit ich Mitte 20 bin. Aber erst ca. 20 Jahre später, im Sommer 2014, wurde es schlagartig so schlimm, dass ich in Behandlung musste, um medikamentös eingestellt zu werden. Das hat alles sehr lange gedauert, da ich oft meine Medikamente umstellen musste. Seit einem Jahr bin ich gut auf die Medikamente eingestellt.

Mein Mann und ich konnten seit dem Lockdown nun auch nicht mehr zu den sonst für uns üblichen Veranstaltungen, ob ins Theater, ins Kino, ins Museum oder zu den Vereinsveranstaltungen. Alles wurde Corona-bedingt abgesagt. Auch Freunde und Familie konnten wir nicht besuchen und sie uns auch nicht. Das war für uns alle nicht einfach. Ebenso waren das Fitness-Studio und das Hallenbad geschlossen. Die lieb gewonnenen Routinen waren damit außer Kraft gesetzt und ich vermute, das hat dazu beigetragen, dass sich mein RLS verschlimmert hat. Ich habe auch oft die Nacht zum Tag gemacht, was mir nicht gut tat. Aus Frust habe ich meine Medikamentierung erhöht, obwohl ich normalerweise versuche, dies so weit wie möglich zu vermeiden. Ich nehme jetzt immer noch eine höhere Dosis ein als vor der Pandemie. Und es dauert viel länger bis die Medikamente wirken. Nun bin ich eine Leseratte, daher lese ich eben, wenn meine Beine und Arme schmerzen, um mich abzulenken. Aber es gab nicht wenige Tage seit März, da hat RLS meinen Tagesablauf mehr bestimmt als üblich, und ich war wegen des Schlafmangels oft dauermüde. Mittlerweile hat das Fitness-Studio wieder geöffnet, so dass ich diese Routine wie-der aufnehmen konnte. Auch wenn dies bisher mein RLS nicht verbessert, tut es mir aber trotz-dem gut, lieb gewonnene Aktivitäten wieder aufzunehmen.

Es gibt für mich eine Zeit vor Corona und eine Zeit mit Corona. Und ich hoffe sehr, dass wir bald entweder eine Impfung oder ein wirksames Mittel gegen die Krankheit haben, damit wir die jetzigen Einschränkungen hinter uns lassen können.